Leipziger Universitätschor

Hans-Joachim Rotzsch

Der Leipziger Universitätschor 1963–1973 unter der Leitung von
Hans-Joachim Rotzsch

1963

Rotzsch übernimmt auf Bitten Rabenschlags und des Chores die Vertretung und schließlich dessen Nachfolge. Die zweiten Universitätsfestspiele, in deren Zusammenhang der Chor den Kunstpreis der Karl-Marx-Universität erhält, sind die erste große Aufgabe für den neuen Leiter. Rabenschlag wird durch eine Ehrenpromotion der Theologischen Fakultät der Universität für seine musikwissenschaftliche, chorerzieherische und theologisch vermittelnde Arbeit geehrt. Im Dezember führt der Chor die Kantaten 4–6 des »Weihnachtsoratorium« u.a. mit Peter Schreier auf.

1964

Im Januar gestaltet der Universitätschor im »Theater der Werktätigen« in Wolfen ein Konzert mit Werken von de Wert, Monteverdi, di Lasso, Pepping, Brahms und anderen unter der vertretenden Leitung von Christoph Schneider. Im März leitet Rotzsch eine Aufführung der »Matthäus-Passion« von J.S. Bach in der Universitätskirche. Im Mai (2.–10.5.) gastiert der Chor in der UdSSR mit Werken von Bach, Distler, Eisler, Brahms und Krause-Graumnitz. Neben Konzerten finden auch Rundfunkaufnahmen statt. Im Rahmen des 39. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs Ende Mai führt der Chor »Meisterwerke der Chorkunst« mit Kompositionen von Schütz, Bach, Monteverdi, Gabrieli und Senfl unter der Leitung von Rotzsch auf.

Im Dezember wird das Bachsche »Weihnachtsoratorium« (Kantaten 1–3) in der Universitätskirche aufgeführt.

1965

Im Januar finden erneut Funkaufnahmen statt. In der Passionszeit wird in diesem Jahr wieder die Bachsche »Matthäus-Passion« aufgeführt.

Im Mai gestaltet der Chor zum ersten Mal ein Konzert für Veteranen.

Im September gibt es ein Probenlager zur Erarbeitung der Uraufführung des Auftragswerkes »Das Unsere« von Georg Maurer und Krause-Graumnitz. Ende September wird das Werk im Rahmen der Festveranstaltung »10 Jahre Institut Johannes R. Becher« zur Uraufführung gebracht. Der Chor wirkt bei vielen offiziellen Anlässen der Stadt oder des Landes mit, so z.B. bei der 800-Jahrfeier der Stadt Leipzig, zum Tag der Republik, beim Kosmonauten-Empfang und zur »Volkswahl«.

Im Dezember kommt es nicht nur zu einer Aufführung des Bachschen »Weihnachtsoratorium« (Kantaten 4–6), sondern auch zu einem Weihnachtskonzert in Dresden mit Werken von Brahms, Telemann, Monteverdi, Schütz und Cornelius.

1966

Im März führt Rotzsch mit dem Universitätschor die Urfassung von 1723 der Bachschen »Johannes-Passion« in der Universitätskirche auf.

Anfang April folgt eine Aufführung der Bachschen »Matthäus-Passion« in der Universitätskirche. Der Chor wirkt bei den Festveranstaltungen zum 20. Jahrestag der SED und der Deutschen Akademie der Wissenschaften mit. Zum 41. Deutschen Bachfest gestaltet der Chor Motetten von Schütz und Bach sowie die öffentliche Erstaufführung »Und das ist das Unsere« von Heinz Krause-Graumnitz.

Beim »Festlichen Konzert« zum 40-jährigen Bestehen des Leipziger Universitätschores am 2. Juni im Festsaal des Alten Rathauses legt Rabenschlag offiziell das Amt als Leiter des Chores nieder, und Rotzsch übernimmt dieses. Im August findet eine Konzertreise durch Ungarn (Györ, Sopron, Budapest) statt, wobei auch der Plattensee besucht wird. Bei den Chorarbeitstagen Ende September stehen nicht nur Proben, sondern auch Funkaufnahmen (»Und das ist das Unsere«), Konzerte und die musikalische Ausrichtung der Immatrikulationsfeier des Physiologischen Institutes auf dem Programm. Nach verschiedenen »offiziellen« Auftritten (Konzert zum »Tag der Republik«, Solidaritätskonzert u.a.) findet im Dezember eine Aufführung der Kantaten 1–3 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« und der Kantate BWV 191 »Gloria in excelsis Deo« statt.

1967

Im Januar nimmt der Universitätschor am »Bezirksleistungsvergleich der Chöre« in Wurzen und am »Konzert zur kulturellen Leistungsschau« teil.

Im März findet wieder eine Aufführung der »Johannes-Passion« von J.S. Bach unter Hans-Joachim Rotzsch statt.

Im Mai gastiert der Chor bei der Festveranstaltung »100 Jahre: Das Kapital«, beim Sängertreffen in Eisenach und bei einer Wahlkundgebung.

Im Juli gestaltet der Universitätschor einen »Monteverdi-Abend« zum 400. Geburtstag des Komponisten.

Ende Juni wird Hans-Joachim Rotzsch der Kunstpreis der DDR für die Leitung des Leipziger Universitätschores verliehen. Nach dem Probenlager richtet der Universitätschor die Immatrikulationsfeier, einen Motetten-Abend im Dom zu Magdeburg und in Wittenberg (450 Jahre Reformation) aus. Der Chor präsentiert die Uraufführung des Auftragswerkes »Die Wolken« von Deicke und Köbler. Neben den »Liedern zum Roten Oktober« steht dieser Monat ganz im Zeichen der Reformation. Auf dem Programm stehen jeweils Werke von Bach, Schütz, Distler, Kodály, Hessenberg, Scheidt, Schein und Resinarius. Nach Konzerten zum »Tag der Republik« findet im Dezember eine Aufführung der Kantaten 4–6 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« in der Universitätskirche statt.

1968

Nach einem Programm »Zeitgenössische Vokalmusik« mit Werken von Golle, Burghardt, Köbler, Pepping und Distler finden erneute Aufnahmen für den Rundfunk statt.

Am 4. April findet das letzte große Konzert in der Universitätskirche statt. Rotzsch führt die »Matthäus-Passion« von J.S. Bach in der traditionellen Wirkungsstätte des Leipziger Universitätschores auf.

Am 30. Mai wird die Universitätskirche St. Pauli zugunsten der Gestaltung des neuen »sozialistischen Stadtzentrums« gesprengt. Mit der Zerstörung von St. Pauli verlieren der Chor seine Wirkungsstätte und die Universität ihre Predigtkirche.

Dem Chor werden die Funkaufnahmen für die evangelischen Morgenfeiern aus parteipolitischen Gründen verboten. Im Juni gastiert der Chor in Polen und gibt dort einige Konzerte, so z.B. beim »Internationalen Chorfestival«, beim »Festival der Orgel- und Kammermusik« und zu einer Immatrikulationsfeier in Stettin.

Im November gestaltet der Universitätschor mit Unterstützung des Chores des Musikwissenschaftlichen Institutes und des »Poetischen Theaters« in der Leipziger Kongreßhalle Haydns »Die Jahreszeiten«.

Im Dezember findet eine Aufführung der Kantaten 1–3 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« statt.

1969

Nach vielen »offiziellen« parteipolitisch orientierten Konzerten (zum Frauentag, FDJ etc.) widmet sich der Chor einer Aufführung der Bachschen »Johannes-Passion«, nun in der Nikolaikirche.

Im Juni singt der Universitätschor die Uraufführung »Das Jahr 2000 naht« von Wiens und Matthus bei den Arbeiterfestspielen in Mittweida. Im Juli nimmt der Chor die »Sportfestkantate« für den Rundfunk auf.

Mitte September gastiert der Chor in Moskau und Leningrad anläßlich der »Tage der Kultur der DDR« und gestaltet dort eine Reihe von Konzerten.

Im November erklingt Mozarts »Requiem« in Halle und im Dezember die Kantaten 4–6 des Bachschen »Weihnachtsoratorium«.

1970

Im Januar findet das erste Konzert »Chorische Darstellungsformen« aus der Konzertreihe »Das Chorwerk« statt. Geplant sind insgesamt sechs Konzerte in den Jahren 1970 bis 1973 mit Chormusik aus sieben Jahrhunderten. Im März führt Rotzsch erneut die »Johannes-Passion« von J.S. Bach in der Nikolaikirche auf.

Zum 25. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus gestaltet der Universitätschor am 5. Mai mit einem Chor aus Leningrad ein Gemeinschaftskonzert für den Festakt.

Im Juni führt der Universitätschor das zweite Konzert aus der Reihe »Das Chorwerk« unter dem Motto »Die Entwicklung des musikalischen Themas« im Festsaal des Alten Rathauses zu Leipzig auf.

Beim zweiten Internationalen Bachfest wirkt der Chor zum Thema »Weltliche Quellen des Weihnachtsoratorium« mit.

Im Oktober singt der Chor zur Einweihung der Autobahn Leipzig-Grimma und gestaltet das Festprogramm zur Feier der Oktoberrevolution. Zu Weihnachten erklingen die Kantaten 1–3 des Bachschen »Weihnachtsoratorium«.

1971

Im Januar gestaltet der Universitätschor das dritte Konzert aus der Reihe »Das Chorwerk« unter dem Thema »Das Wort-Ton-Verhältnis in der Vokalmusik« im Festsaal des Alten Rathauses.

In Gedenken an den Universitätsorganisten Robert Köbler, der unerwartet im September des Jahres 1970 verstorben ist, singt der Universitätschor in der Thomaskirche das Gedächtniskonzert mit Werken von Bach und Reger.

Im April führt der Chor die »Matthäus-Passion« von J.S. Bach in der Thomaskirche auf und gestaltet die Uraufführung von Krause-Graumnitz »Ein Mensch wächst auf«. Im Juni folgen erneut einige »offizielle« parteipolitische Auftritte, so z.B. die Gestaltung von Konzerten zu den Arbeiterfestspielen. Nach der Ausrichtung der Feier zur Oktoberrevolution Anfang November findet der vierte Abend aus der Reihe »Das Chorwerk« statt. Hier widmet sich der Chor einen Abend ganz dem »Madrigal«. Wie so oft singt der Chor auch in diesem Konzert eine Uraufführung: »Herbstgefühl« von Wilhelm Weismann.

Das kleine Vokalensemble »Camerata vocale«, bestehend aus einer Gruppe von 18 Chormitgliedern unter Detlef Schneider, entsteht zur Zeit des Projekts »Das Chorwerk«. Ursprünglich gedacht als Abwechslung in den Programmen und in der Klangfarbe, stellt sich schon früh heraus, daß auch ganze Konzerte mit diesem Ensemble möglich sind. Ein Höhepunkt aus dieser Arbeit ist eine Konzertreise nach Kiew. Auf dem Programm stehen Bachs »Lobet den Herrn alle Heiden« und Volkslieder.

Im Dezember erklingen zwei Aufführungen der letzten drei Kantaten des »Weihnachtsoratorium« von J.S. Bach in der Thomaskirche.

1972

Anfang Februar gestaltet der Chor ein Konzert aus der Reihe »Das Chorwerk«. Im März erklingt die »Johannes-Passion« von J.S. Bach in der Thomaskirche.

Im Juni finden Fernsehaufnahmen über den Leipziger Universitätschor statt, bei denen er sich mit Interpretationen von Bachschen Werken vorstellt. »Die Geschichte der Motette«, der fünfte Abend in der Reihe »Das Chorwerk«, erklingt im Juli im Weißen Saal des Zoo.

Anläßlich des 10. Todestages von Hanns Eisler am 6. September gestaltet der Universitätschor im November einen Abend zur Ehrung des Komponisten.

Hans-Joachim Rotzsch wird zum Thomaskantor berufen, und stellvertretend übernimmt Detlef Schneider die Leitung des Leipziger Universitätschores.

Am Ende des Jahres erlebt das Leipziger Publikum zweimal die Kantaten 1–3 aus dem »Weihnachtsoratorium« von Bach in der Thomaskirche unter der Leitung von Rotzsch. Er dirigiert nicht nur die Aufführung mit dem Thomanerchor, sondern auch die des Leipziger Universitätschores in der Thomaskirche.

1973

Anfang des Jahres erhält der Leipziger Universitätschor kurzfristig eine Einladung zu einem Chorwettbewerb in Pardubice in der Tschechoslowakei. Da Rotzsch zu diesem Zeitpunkt schon ganz die Leitung des Thomanerchores übernommen hat, steht für die Erarbeitung eines Konzertprogrammes nicht viel Zeit zur Verfügung. Nach einem Protest aller teilnehmenden Chöre gegen die unangemessene Entscheidung der Jury, die künstlerische Leistung des Universitätschores betreffend, verzichtet der Universitätschor auf die Teilnahme an der Abschlußfeier.

Im April erklingt die Bachsche »Matthäus-Passion« mit dem Leipziger Universitätschor unter der Leitung von Rotzsch in der Thomaskirche.

Am 21. Juni findet der letzte Abend der Reihe »Das Chorwerk« unter dem Thema »Volkslieder in alten und neuen Sätzen« im Park des Gohliser Schlößchens unter der Leitung von Detlef Schneider statt.

Im Juli gestaltet der Chor mehrere Auftritte während einer Konzertreise in Polen.

In der Vakanzzeit leitete auch ca. ¼ Jahr der Organist und Chorleiter Hans Otto vorübergehend die Geschicke des Chores.

Im Dezember erklingt in der Thomaskirche das letzte Konzert unter der Leitung von Hans-Joachim Rotzsch in seinem Amt als Leiter des Leipziger Universitätschores. Es sind die Kantaten 4–6 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« als Ergänzung zu dem vorangegangen Konzert der Thomaner mit den Kantaten 1–3. Ende Dezember wird Dr. Max Pommer durch den Rektor der Universität zum neuen Leiter des Leipziger Universitätschores berufen.

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