Leipziger Universitätschor

Friedrich Rabenschlag

Der Leipziger Universitätschor 1926–1963 unter der Leitung von
Friedrich Rabenschlag

1926

Am 17. Juni gründet der Student der Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie Friedrich Rabenschlag den »Madrigalkreis Leipziger Studenten« (MLS), die Keimzelle des heutigen Leipziger Universitätschores, aus einer Gruppe singbegeisterter Studierender der Universität und des Konservatoriums. Durch die Singbewegung geprägt, standen zunächst deutsche Liedsätze und europäische Madrigale im Mittelpunkt seiner Arbeit, bald durch geistliche Musik des 16. Jahrhunderts und die Werke von Heinrich Schütz erweitert.

1927

Im September führt der Madrigalkreis eine erste Singfahrt nach Danzig, Ostpreußen und ins Baltikum mit Konzerten u.a. in Danzig, Elbing, Allenstein, Lyck, Rastenburg und Riga durch. Dafür wurden zwei unterschiedliche Programme erarbeitet. Ein Programm beinhaltete Madrigale und Chorlieder von Komponisten des 16. Jahrhunderts, das andere – ein geistliches Programm – eine Motette von Johann Michael Bach, Chorsätze von Johann Rosenmüller, Hans-Leo Hassler und Johann Eccard sowie die »Deutsche Messe« (Teile aus den »Zwölf Geistlichen Gesängen«) von Heinrich Schütz.

1928

Im August und September folgt eine zweite Singfahrt nach Norddeutschland, Ostpreußen, ins Baltikum und nach Finnland mit Konzerten u.a. in Schwerin, Rostock, Helsingfors, Riga, Danzig, Allenstein und Königsberg. Dabei wurden die Programme erheblich erweitert mit Werken aus der »Geistlichen Chormusik 1648« von Heinrich Schütz, seinem 111. Psalm und Chören aus »Markus- und Matthäus-Passion«. Am 29. September stellt sich der Chor mit einer »Geistlichen Abendmusik« in der Thomaskirche erstmals in Leipzig vor.

1929

Der »Madrigalkreis Leipziger Studenten« singt zum ersten Mal öffentlich im Rundfunk. Leider gibt es aus dieser Zeit keine historischen Tondokumente, da es zu dieser Zeit üblich war, ohne vorherige Aufnahmen live im Studio zu singen.

1930

Der Chor gestaltet einen ersten Abend mit Werken von Josquin de Prés. In Ermangelung an vorhandenem Notenmaterial werden handschriftliche »Singbüchlein« angefertigt.

1931

Bei einer Geistlichen Abendmusik im Februar in der Thomaskirche mit altniederländischer Chormusik des 15. und 16. Jahrhunderts stehen die »Missa pange lingua« von Josquin de Prés und Passionsmotetten von Johannes Ockeghem, Pierre de la Rue und Josquin de Prés im Vordergrund. Die Chorproben finden ab diesem Jahr in der Universitätsbibliothek unter dem Portrait von Heinrich Schütz statt.

In einer weiteren Geistlichen Abendmusik im Juni in der Thomaskirche führt Rabenschlag den ersten Teil aus der »Geistlichen Chormusik 1648« von Heinrich Schütz (Motetten zu 5 Stimmen) auf.

Es folgen Konzerte im Oktober u.a. mit den »Deutschen Sprüchen von Leben und Tod« von Leonhard Lechner und im Dezember eine Weihnachtsmusik mit alten deutschen Weihnachtsgesängen des 16. und 17. Jahrhunderts, die Ende Dezember in der Nikolaikirche wiederholt wird. Wegen einer vorgesehenen Promotion über Balthasar Resinarius hält sich Rabenschlag bei Prof. Kroger in Köln auf.

1932

In dieses Jahr fallen die Einstudierung und Aufführung mehrerer Programme, u.a. »Motettenkunst des Frühbarock« (Motetten von Jan Pieterszoon Sweelinck, Hieronymus Praetorius, Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz) und »Deutsche Chorkunst um 1600«.

In einer »Heinrich-Schütz-Feier« in der Thomaskirche zum Gedenken an dessen 260. Todestag erklingen seine »Musikalischen Exequien«.

Friedrich Rabenschlag schafft dem Chor – hauptsächlich zur Sicherung der finanziellen Lage – einen Freundeskreis. Für die Schirmherrschaft gewinnt er zwölf führende Persönlichkeiten der Stadt Leipzig, u.a. Oberbürgermeister Goerdeler, Thomaskantor Prof. Straube, GMD Brecher, Geheimrat Dr. Hinrichsen, Verlagsbuchhändler Brockhaus, Prof. Glauning (Universitätsbibliothek), Prof. Kroyer (Musikwissenschaftliches Institut der Universität Leipzig) und den Germanisten Prof. Dr. Litt.

1933

Friedrich Rabenschlag wird am 1. April von den Professoren Litt, Zenk und Müller zum Kantor an der Universitätskirche St. Pauli in der Nachfolge von Prof. Lic. Theol. hc. Hans Hofmann ernannt und übernimmt den Universitätskirchenchor zu St. Pauli. Zu diesem Zeitpunkt bricht er die Arbeit an der Promotion ab.

Im Juli kommt das »Hohelied Salomonis« von Leonhard Lechner zur Aufführung, und im Herbst kommt es zu einem ersten gemeinsamen Musizieren von Universitäts-Kantorei und Madrigalkreis (Motettenkunst der Lutherzeit) am Bußtag in der Universitätskirche. In der Weihnachtszeit werden zusätzlich Heinrich Schütz’ »Historia von der Geburt Jesu Christi« und sein doppelchöriges »Magnificat« zur Aufführung gebracht.

1934

Im Februar erklingen durch den MLS die »Musikalischen Exequien« von Heinrich Schütz und zu Palmarum singen beide Chöre gemeinsam Leonhard Lechners »Johannes-Passion« (1594).

Die von Anbeginn zur Chorarbeit gehörenden Arbeitswochen und Probenwochenenden finden auch in diesem Jahr wieder in Meuselbach (Thüringen) statt und werden erstmalig von beiden Chorvereinigungen gemeinsam genutzt. Das Repertoire erweitert sich um mehrchörige Psalmen mit Instrumenten und Ausschnitte aus den »Cantiones sacrae« von Heinrich Schütz, Choralkantaten von Dietrich Buxtehude und Johann Rosenmüller sowie um deutsche Chormusik der Gegenwart, Choralmotetten von Ernst Pepping und Hugo Distler. Das ist der Beginn einer verdienstvollen Pflege des Werkes von Ernst Pepping, der als Chormitglied an der zweiten Reise ins Baltikum teilnahm. Im August/September gastiert der Chor während einer Singreise erneut in Ostpreußen, im Baltikum und in Finnland.

1935

Einen ersten Höhepunkt erreicht die gemeinsame Arbeit der beiden Chöre im von Friedrich Rabenschlag veranstalteten »Leipziger Heinrich-Schütz-Jahr« mit 6 Konzerten und 12 Rundfunksendungen in Verbindung mit der Neuen Schütz-Gesellschaft und unter Schirmherrschaft des Universitätsrektors Prof. Krueger. Es werden sechs Abendmusiken veranstaltet:

  • 14.4. Passion nach dem Evangelisten Lukas
  • 28.4. Historia der Auferstehung Jesu Christi
  • 12.5. Mehrchörige Psalmen mit Instrumenten
  • 28.6. Weltliches Konzert mit deutschen und italienischen Madrigalen
  • 24.11. Musikalische Exequien von 1636
  • 8.12. Historia von der Geburt Jesu Christi

Umbenennung der Universitätskantorei in Heinrich-Schütz-Kantorei.
Der MLS gestaltet erste Serenaden im Gohliser Schlößchen.

1936

Der Madrigalkreis Leipziger Studenten erhält eine einmalige Zuwendung der »Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig« in Höhe von 1000 Reichsmark. Der MLS verschreibt sich weiterhin der Pflege des Schützschen Werks, was auch an der Erstaufführung des »Vater unser« aus »Symphoniae Sacrae, Tertia Pars« im April in der Universitätskirche deutlich wird.

Zum 10-jährigen Jubiläum am 29. Juni werden im festlichen Konzert nicht nur Madrigale des 16. und 17. Jahrhundert, sondern auch weltliche Werke (u.a. Hassler, Othmayr, Senfl) für Chor und Kammerorchester gegeben.

1937

Auch in diesem Jahr zeigt sich der MLS ganz den Werken von Schütz und Pepping verschrieben. Im Dezember wird ein Aufruf zum Beitritt in den Leipziger Universitätschor veröffentlicht, in dem nicht nur Studentinnen und Studenten, sondern auch Dozenten, Assistenten, Beamte, Angestellte und Angehörige zum Beitritt aufgefordert werden. Dies steht ganz im Gegensatz zur heutigen Chorsituation, wo es sich vorwiegend um studentische Chormitglieder handelt. Auch wird nochmals deutlich, welchem Repertoire sich der Chor verschrieben hat: »Deutsche Chormusik des 16. und 17. Jahrhunderts, zeitgenössische Volkslieder, Mannschaftslieder und Soldatenlieder«. Ab 1937 finden in der Universitätskirche wöchentlich musikalische Vespern statt.

1938

Gründung des Leipziger Universitätschores (LUC) durch Zusammenlegung des Madrigalkreises Leipziger Studenten und der Heinrich-Schütz-Kantorei.

Zur »Dietrich-Buxtehude-Feier« finden erneut eine Serenade im Gohliser Schlößchen und eine weitere Universitätsmusik mit a-cappella-Chören und Bachs Kantate »Streit zwischen Phöbus und Pan« in der Aula der Universität statt.

In diesem Jahr gründet Rabenschlag ein universitäres Kammerorchester als Begleitinstrument für den Chor.

In dieser Zeit führt Rabenschlag einen ständigen Kampf mit der Studentenführung, die zu verhindern sucht, daß Mitglieder ihres NSDStB im Leipziger Universitätschor mitsingen. Da die jungen Semester überwiegend im NSDStB organisiert sind, sind Männerstimmen fast nur noch aus den Reihen der Theologiestudenten zu bekommen, und auch diese werden immer weniger.

Im August finden Rundfunkaufnahmen mit alten deutschen Liedern statt, und in diesem Jahr wird die Tradition eingeführt, an St. Martin im Rundfunk live ein »Gänseliedersingen« zu veranstalten und sich danach zu einem Gänseessen in Auerbachs Keller einzufinden.

Im Dezember erklingt durch den Universitätschor in Leipzig wieder nach 204 Jahren, in Ergänzung zu der Aufführung des ersten Teils durch den Thomanerchor, der zweite Teil von Bachs »Weihnachtsoratorium« (Kantaten 4–6).

1939

Zu Beginn des Jahres führt der Universitätschor Händels »Acis und Galatea« mit sehr gutem Erfolg auf.

Beim Konzert am 9. Juli tritt Friedrich Rabenschlag erstmals als neu ernannter Universitätsmusikdirektor auf. Wieder einmal steht zeitgenössische Musik auf dem Plan, und auch zu diesem Konzert singt der Leipziger Universitätschor wieder Erstaufführungen, diesmal von Pepping – mit überragendem Erfolg, wie die Presse berichtet.

Im November findet zum Martinstag erneut das Gänseliedersingen im Rundfunk statt, und auch dieses Jahr läßt sich der Chor den traditionellen Gänsebraten in Auerbachs Keller gut schmecken. Im Dezember führt der Chor die Kantaten 4–6 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« in der Universitätskirche auf.

1940

Der Universitätschor erweitert sein Repertoire in diesem Jahr um die Bachsche »Johannes-Passion«, und so erklingt diese erstmals im März mit großem Erfolg in der Universitätskirche.

Im Juli erklingt in der Leipziger Universitätskirche »Deutsche Motettenkunst« und im Dezember ein Weihnachtskonzert mit a-cappella-Werken von Schütz und Orgelkunst von Bach.

1941

Zu Beginn des Jahres singt der Universitätschor neue Chormusik (z.B. von Gerhard Schwarz, Hugo Distler und Christian Lahusen) im Reichssender Leipzig und, wie aus den Pressestimmen hervorgeht, in einer sehr überragenden und überzeugenden Darstellung.

Friedrich Rabenschlag hält auch guten Kontakt zu nicht mehr aktiven Chormitgliedern und greift auch auf diese zurück. Insgesamt zeigt sich deutlich, daß Rabenschlag eine sehr persönliche und individuelle Beziehung zu seinen Chorsängern unterhält. Die Stimmung innerhalb des Chores ist eine äußerst positive. Und es geht über eine »normale« Chorgemeinschaft weit hinaus. Das ist einer der vielen Gründe für diese äußerst produktive und positive Zusammenarbeit zwischen Rabenschlag und den Chormitgliedern.

Bevor Rabenschlag im Juli zur deutschen Wehrmacht eingezogen wird und trotzdem die Probenarbeit ihren (fast) normalen Lauf weiter geht, findet eine »Festliche Chormusik« zum 15-jährigen Bestehen des Chores statt.

Im Dezember wird erneut Bachs »Weihnachtsoratorium« Kantaten 4–6 aufgeführt, und in der Presse wird deutlich, daß sich der Leipziger Universitätschor schon fest mit der regelmäßigen Aufführung des zweiten Teils des »Weihnachtsoratorium« im Leipziger Musikleben etabliert hat.

Im Leipziger Universitätschor steht es auch nicht sehr gut um die Männerstimmen, durch die Kriegssituation ist es noch schlechter geworden.

1942

Trotz des Krieges geht der normale Chorbetrieb weiter, und so gibt es im März eine Aufführung von Peppings Chorzyklus »Das Jahr« und im Mai[!] die »Johannes-Passion« von Bach. Leider gibt es keinerlei Hinweise, warum die Passion erst zu diesem späten Zeitpunkt aufgeführt worden ist. Im Juli gibt es eine erneute Aufführung von Händels »Acis und Galatea«.

Im Dezember führt der Universitätschor zum ersten Mal beide Teile des Bachschen »Weihnachtsoratorium« in der Universitätskirche auf.

1943

Im März findet eine Universitätsmusik in der Aula mit Werken von Bach, Schütz und der Erstaufführung »Der Wagen« von Pepping statt.

Im Juni wird die Bachsche »Johannes-Passion« in der Universitätskirche aufgeführt, und im November veranstaltet der Universitätschor einen »Heinrich-Schütz-Abend«.

Im Dezember dieses Jahres trifft ein schwerer Luftangriff Leipzig. Dabei wird die Geschäftsstelle zerstört, und das Noten- und Kritikenarchiv des Chores verbrennen. Wie durch eine Eingebung hat Rabenschlag in den Tagen vor dem Luftangriff 95% der Noten in die Keller der Universität umgelagert.

Die Universitätskirche nimmt nur leichten Schaden: es sind nur ein paar Fenster gesprungen, und es hat nichts gebrannt. Rabenschlag läßt sich aber durch diese Umstände nicht vom Arbeiten mit dem Chor abhalten, und Ende Dezember ist eine Aufführung des zweiten Teils des Bachschen »Weihnachtsoratorium« geplant. Dieses muß aber insgesamt zwei mal verschoben werden, so daß es endgültig erst im März des nächsten Jahres in der Thomaskirche stattfindet.

1944

Am 20. März findet nun die zweimal verschobene Aufführung des Bachschen »Weihnachtsoratorium« statt.

Man sieht sehr deutlich das Engagement, mit dem sich Rabenschlag für den Chor einsetzt und sogar seinen privaten Wohnraum für Proben zur Verfügung stellt.

Trotz seines Militärdienstes setzt Rabenschlag alles daran, weiter mit dem Chor zu arbeiten.

1945

Im Juni stellt Rabenschlag einen Antrag auf einen Passierschein, um in seiner dienstfreien Zeit sein Amt als Kantor und Musikdirektor weiterführen zu können und um diese dringenden Aufgaben zur Weiterführung der kirchenmusikalischen Arbeit an der Universität zu erledigen. Nach der Bewilligung des Antrags finden die ersten Proben am 10. Juli und das erste Konzert bereits Ende August statt: ein Bach-Kantaten-Abend.

Im November findet ein Motetten-Abend (de Prés, Schein und Schütz) statt und im Dezember zum ersten Mal nur der erste Teil des Bachschen »Weihnachtsoratorium«.

Im November fragt der Reichssender Leipzig an, ob der Chor an einer Zusammenarbeit interessiert sei.

Am 15. November wird Friedrich Rabenschlag aus seinen Ämtern wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft entlassen und der Chor mit einem Aufführungsverbot belegt. Dennoch führt Rabenschlag die gesamte Arbeit auf eigene Initiative und auf eigenes Risiko in bewundernswerter Weise mit den üblichen weihnachtlichen Konzerten fort.

Die Existenz des Chores steht hier auf dem Spiel, und im März des nächsten Jahres findet eine Krisensitzung des Chores statt.

1946

Krisenbesprechung des Chores: Nach den Ereignissen zum Jahresende hin beruft Rabenschlag eine »Besprechung im engeren Kreis« zur Weiterführung des Chores ein. Diskutiert wird z.B., wie durch eine Umstellung des Arbeitsplanes einem erneuten Aufführungsverbot entgangen werden kann. Rabenschlag macht deutlich, wie sehr ihm eine unbedingte Einheit zwischen Chor und Leiter am Herzen liegt, denn nur so ist ein Arbeiten in guter Stimmung möglich. Weiterhin werden Überlegungen angestellt, daß der Leipziger Universitätschor (der eine Fortführung des MLS ist) als eine freie Vereinigung und nicht als Einrichtung der Universität besteht. Rabenschlag ist die Arbeit mit seinem Chor sehr wichtig, und somit gibt es für ihn nur drei Existenzmöglichkeiten für den Chor:

  1. eine ganz normale Weiterarbeit bei seiner Wiedereinstellung
  2. eine Loslösung von der Universität und Weiterarbeit, z.B. als MLS
  3. die Übergabe des Chores an einen von Rabenschlag selbst bestimmten Nachfolger

Am 4. Juni wird Friedrich Rabenschlag rehabilitiert.

Im Juli findet ein festliches Konzert zum 20-jährigen Bestehen des Chores unter der Leitung von Rabenschlag im Schauspielhaus zu Leipzig statt. Auf dem Programm stehen »Madrigalkunst des 16. und 17. Jahrhunderts« und Werke von Pepping wie auch das Bachsche »Brandenburgische Konzert Nr. 1«. Im Dezember folgen der erste Teil des Bachschen »Weihnachtsoratorium« (Kantaten 1–3) und die alljährliche Weihnachtsmusik.

1947

Im März gestaltet der Chor einen »Ernst-Pepping-Abend« und führt seine Passionstradition mit der »Johannes-Passion« von Bach fort. Am 23. September singt der Leipziger Universitätschor ein Abschiedskonzert für Prof. Litt und Prof. Gadamer.

Die im Dezember aufgeführten Kantaten 1–3 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« werden von der Presse direkt mit der Aufführung der Thomaner verglichen.

1948

Im Rahmen der Bachtage führt der Chor im März die Bachsche »Johannes-Passion« auf. Zum 300. Geburtstag von Heinrich Schütz gestaltet der Universitätschor die »Historia von der Geburt Jesu Christi« und das »Magnificat«.

Im Dezember gestalten die Thomaner und der Leipziger Universitätschor die ersten drei Kantaten des Bachschen »Weihnachtsoratorium« mit der gleichen solistischen und instrumentalen Besetzung.

1949

Offizielle Wiedereinsetzung Friedrich Rabenschlags am 1. Juli in seine Ämter als Universitätsmusikdirektor und Universitätskantor durch die Universität.

Zum ersten Mal führt der Universitätschor Mozarts »Große Messe in c-Moll« in der Thomaskirche auf.

Weiterhin gestaltet werden in der Passionszeit die Bachsche »Johannes-Passion« und zum Ende des Jahres die Kantaten 4–6 seines »Weihnachtsoratorium«.

1950

Im Februar führt der Universitätschor im Plenarsaal des Rathauses den Chorzyklus »Das Jahr« von Pepping auf.

Zur Bachfeier anläßlich des 200. Todestages von Johann Sebastian Bach gestaltet der Chor die »Johannes-Passion« und zu Weihnachten die ersten drei Kantaten des Bachschen »Weihnachtsoratorium«.

1951

Im Februar führt der Chor zum wiederholten Male »Acis und Galatea« und im März die Bachsche »Johannes-Passion« auf.

Zum 25-jährigen Jubiläum des Chores gestaltet der Chor in zwei Tagen drei Festkonzerte. Auf dem Programm stehen »Motetten und Concerte« von de Prés, Schütz und Schein sowie »Volkslieder und Madrigale« und ein Abend mit Bach-Chorälen. Prof. Pepping steuert zum Chorjubiläum einen Gratulationsgesang bei.

Im Dezember finden die alljährliche Aufführung des Bachschen »Weihnachtsoratorium« und das traditionelle Weihnachtskonzert statt.

1952

Im April führt der Universitätschor nach einer längeren Pause die »Matthäus-Passion« von J.S. Bach in der Universitätskirche auf. Zu den Kirchenmusiktagen im Juni gestaltet der Chor die Uraufführung von Peppings »Liedmotetten nach Weisen böhmischer Brüder«. Im Dezember findet eine komplette Aufführung der beiden Teile (Kantaten 1–6) des Bachschen »Weihnachtsoratorium« statt.

1953

In der Passionszeit findet erneut eine Aufführung der »Matthäus-Passion« von Bach statt. Im November gestaltet der Universitätschor »Frühbarocke Chorkunst« im Rahmen eines Konzertes des Musikwissenschaftlichen Institutes.

Im Dezember finden wie in jedem Jahr die weihnachtlichen Konzerte mit dem Bachschen »Weihnachtsoratorium« und Weihnachtsmusik statt.

1954

Zum ersten Mal wird der Name »Karl-Marx-Universität« genannt. Zu Beginn des Jahres gestaltet der Chor ein Konzert »Mittelalterliche Musik« und zur Passionszeit die Bachsche »Matthäus-Passion«. Am 5. Mai wird Rabenschlag zum Professor ernannt. In diesem Jahr beginnt eine verstärkte Gastspieltätigkeit in Ost- und Westdeutschland. Im August gibt der Chor ein Gastspiel anläßlich der »Festlichen Tage – Junge Musik« in Passau mit Werken von Schütz, Schein und Pepping. Anfang Dezember findet eine Chorreise mit »Weihnachtsliedern und Motetten« nach Berlin und Westfalen statt.

Mitte Dezember: Aufführung des Bachschen »Weihnachtsoratorium«, in dem der zukünftige Chorleiter des Leipziger Universitätschores Hans-Joachim Rotzsch die Tenor-Partie übernimmt.

1955

Im März gestaltet der Chor die Aufführung der Bachschen »Johannes-Passion« und im Juni eine »Geistliche Abendmusik« im Dom zu Meißen.

Es finden drei Konzertreisen mit Rundfunkaufnahmen geistlicher und weltlicher Chormusik a cappella in Hamburg, Niedersachsen und Hessen statt. Zu den »Kasseler Musiktagen« gestaltet der Chor Konzerte, und zum Jahrestag der Gesellschaft für Musikforschung im Oktober singt der Chor Werke von de Prés, Senfl u.a.

Die diesjährige Bilanz liegt bei 33 Konzerten und 5 Rundfunkaufnahmen.

1956

Nach der Bachschen »Johannes-Passion« im März gibt der Universitätschor ein Gastspiel in Jena mit »Meisterwerken alter und neuer Chormusik«. Außerdem gastiert der Chor beim »Internationalen Heinrich-Schütz-Fest« in der Kreuzkirche in Dresden und bei der »5. Europäischen Woche« in Passau. Zur 30-Jahrfeier des Chores im Juni werden eine »Serenade im Park« und ein Konzert mit »Motettenkunst des Barock« gestaltet.

Im Dezember findet eine Chorreise ins Saarland/Rheinland statt, bei der »Weltliche Chorkunst der Renaissance und des Frühbarock« gegeben wird.

Am 9. Dezember singt der Chor zur Wiedereinweihung der Basilika in Trier, Festredner ist Theodor Heuss.

Im Dezember erklingen der erste Teil des Bachschen »Weihnachtsoratorium« und die Weihnachtsmusik.

1957

In der Passionszeit steht nach einem Konzert mit »Motettenkunst« die »Johannes-Passion« von J.S. Bach auf dem Programm. In diesem Jahr nimmt der Chor erstmals Bachs »Messe in h-Moll« nach der Neuen Bachausgabe mit sehr großem Erfolg ins Repertoire.

Die diesjährige Chorreise führt den Chor im August nach Nordwestdeutschland (Stendal/Lübeck/Schleswig). Auf dem Programm steht »Motettenkunst der Spätrenaissance und des Frühbarock«.

Im November erklingen ein Kammerkonzert im Weißen Saal des Zoo und zu Weihnachten eine gesamte Aufführung des Bachschen »Weihnachtsoratorium«.

1958

Die Bachsche »Johannes-Passion« dieses Jahres hinterläßt bei den Zuhörern einen ganz besonderen Eindruck.

Konzertreisen nach Westdeutschland werden für den Chor immer schwieriger, da die Programme nicht der »Kulturpolitik« des kommunistischen Staates entsprechen.

Der Chor singt aber weiterhin geistliche Musik und versucht, einen Weg zu finden, sein Repertoire auch weiterhin aufrecht zu erhalten. In diesem Jahr werden Rundfunkaufnahmen »Werke Leipziger Thomaskantoren« eingespielt, bei denen auch der Leipziger Universitätschor teilnimmt.

Im Dezember findet die Aufführung der Kantaten 1–3 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« statt.

1959

Im März reist der Leipziger Universitätschor ins Saarland und präsentiert dort »Meisterwerke der Motettenkunst«.

Die diesjährige Interpretation der Bachschen »Matthäus-Passion« wird mit den Worten »Werktreue und Ausdruckskraft« betitelt und zeigt erneut den hohen künstlerischen Wert der Arbeit Rabenschlags mit seinem Chor.

Bei einem Gastspiel in Osnabrück und Umgebung stehen Distlers »Mörike-Liederbuch« und Weismanns »Die Jahreszeiten« auf dem Programm.

In diesem Jahr findet eine erneute Aufführung von »Acis und Galatea« im Gohliser Schlößchen statt. Im Sommer gastiert der Chor mit dem gleichen Programm wie im März in Norddeutschland und bereitet sich auf die 550-Jahrfeier der Universität Leipzig (Karl-Marx-Universität) vor. Anläßlich des Festprogramms präsentiert der Chor gemeinsam mit anderen Chören der Universität die Uraufführung von Fritz Geißlers »Von der Erkennbarkeit der Welt«. Eine Schallplattenproduktion mit Werken von Johannes Brahms wird in diesem Jahr noch vor der alljährlichen Weihnachtsmusik und den Kantaten 4–6 des Bachschen »Weihnachtsoratorium« realisiert.

1960

Nach einer Aufführung der Bachschen »Johannes-Passion« erleidet Friedrich Rabenschlag einen Herzinfarkt und wird ins Klinikum eingeliefert. Bis zu seiner Genesung sorgt Chormitglied Christoph Schneider für die gewissenhafte Weiterführung der Probenarbeit.

Die Kantaten 1–3 in der diesjährigen Aufführung des Bachschen »Weihnachtsoratorium« finden unter der Leitung des KMD Uwe Röhl (Schleswig) statt und die traditionelle »Weihnachtsmusik im Kerzenschein« unter Hans-Joachim Rotzsch, dem zukünftigen Chorleiter.

1961

Zur Passionszeit hat sich Friedrich Rabenschlag noch nicht von seiner schweren Erkrankung erholt, und so findet die Aufführung der Bachschen »Johannes-Passion« unter der Leitung von KMD Eberhard Wenzel aus Halle statt.

Bei der Teilnahme am Internationalen Chorfestival »Europa cantat« in Passau steht wieder Friedrich Rabenschlag am Pult und führt seinen Chor durch das Programm (Mozart, Brahms, di Lasso und Distler). Dies ist für ca. 30 Jahre die letzte Konzertreise in den Westteil Deutschlands. Der Chor wurde zur Strafe zum Ernteeinsatz geschickt, weil er nicht gegen das Fehlen des DDR-Emblems in der schwarz-rot-goldenen Flagge beim Festival protestiert und mit Abreise gedroht hatte.

Beim festlichen Konzert zum 35-jährigen Bestehen präsentiert der Chor Werke von Schütz, Distler, Pepping und Krause-Graumnitz.

1962

Im Januar gestaltet der Chor einen »Ernst-Pepping-Abend« zum 60. Geburtstag des Komponisten. Zur Passionszeit wird die Bachsche »Matthäus-Passion« in der Universitätskirche aufgeführt, mit Hans-Joachim Rotzsch als Evangelist. Zum 38. Deutschen Bachfest präsentiert der Chor »Meisterwerke der Motettenkunst«. Im Juni führt der Universitätschor mit großem Erfolg die Bachkantaten »Der zufriedengestellte Äolus« und »Der Streit zwischen Phöbus und Pan« in der Kongreßhalle des Zoo auf.

Im November dirigiert Friedrich Rabenschlag sein letztes Konzert mit dem Leipziger Universitätschor: »a-cappella-Gesänge« von Monteverdi, Gastoldi, Eisler, Distler und anderen.

Bereits die Weihnachtsmusik findet unter der Leitung von Hans-Joachim Rotzsch statt.

1963

Die diesjährige Bachsche »Johannes-Passion« leitet wiederum KMD Eberhard Wenzel. Zwei a-cappella-Konzerte unter Christoph Schneider leiten den Übergang der Chorleitung von Rabenschlag zu Rotzsch ein.

Am 5. Mai verleiht die Theologische Fakultät Rabenschlag die Ehrendoktorwürde. Am Ende des Jahres erhält der LUC den Kunstpreis der Universität.

Die Gestaltung des ersten Universitätskonzertes des Semesters und der letzten Kantaten (4–6) aus dem Bachschen »Weihnachtsoratorium« übernimmt Hans-Joachim Rotzsch in Vertretung.

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